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Yume Nikki
Leon S.
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Yume Nikki   



Erscheinungsjahr: 2005
Plattform: PC, Windows
Genre: RPG
Entwickler: Kikiyama
Publisher: Privatperson
USK: Keine offizielle Angabe
Story:

Zitat

Man streift durch die Traumwelt der jungen Madotsuki und verstrickt sich dabei immer mehr in ihrem Unterbewusstsein, ihren Gefühlen und ihrem Leben. Dabei ist dort die Aufgabe, gewisse Effekte zu finden, mit denen man dann gegebenfalls Möglichkeit hat, in andere Ebenen der Traumwelt einzutreten.


Charaktere:


Madotsuki
Sie ist das, was man normalerweise unter einem Hikkikomori auffasst und wirkt normalerweise recht emotionslos. Häufig betrachtet sie das drumherum ihrer Albträume ziemlich gleichgültig, doch in ihr drinnen brodeln ziemlich viele, vor allem negative Emotionen.

Masada
Diesen Mann findet Madotsuki in einem hell beleuchteten Raumschiff in einer ihrer Traumebenen. Man vermutet, dass er ihr Klavierlehrer ist.

Poniko
Ein Mädchen in Madotsukis Träumen, welches nach vielen Interpretationen die einzig gute Person in ihrer Traumwelt ist.

Toriningen
Die Bird-human sind die einzigen, wirklichen Feinde in Madotsukis Traumwelt. Die mit den lila-farbenen Augen teleportieren sie in eine andere Traumebene, aus der das einzige Entkommen das Erwachen ist.


Screenshots:


Ein Trailer zu diesem Spiel existiert nicht wirklich, da es, wie oben schon geschrieben, ein Spiel von einer Privatperson, erstellt mit dem RPG Maker 2003, ist. Es ist kostenlos downloadbar, genauso wie etwaige Fortsetzungen und Spin-Offs wie .flow und Yume2kki, welche ich jedoch noch nicht gespielt habe. Bei mir dauert es noch ein wenig, bis ich Yume Nikki, mein absolutes Lieblingsspiel, verdaut habe. Denn wie man an den Screens vielleicht schon erkennen kann, handelt es sich bei diesem Spiel um kein normles Game, wie man ihm normalerweise begegnet. Die Grafik ist recht einfach gehalten und teilweise ein wenig verstörend, die Musik monoton und melancholisch. Doch das macht Yume Nikki erst zu dem, was es ist. Ein abstraktes, komplexes und berührendes Spiel, in dem man letzten Endes sogar ein wenig was über sich selbst lernt, sobald man mehr über Madotsuki erfährt.

Doch fangen wir mal lieber von vorne an: Das Spiel beginnt damit, dass man im Zimmer eines jungen Mädchens, Madotsuki, ist und diese lustig durch die Gegend steuern kann. Zu ihrem Schreibtisch, wo die Spielstände im „Traumtgebuch“ gespeichert werden oder auf den Balkon, der in endlose Tiefen zu gehen scheint. Aber letzten Endes legt man Madotsuki schlafen und das Spiel beginnt erst richtig. Man hat am Anfang keine Ahnung, was man tun soll, kann oder darf. Man befindet sich in seltsamen Räumen, tritt durch seltsame Türen und trifft seltsame Gestalten. Das alles scheint total wirr und wenn man nicht weiter drüber nachdenkt, bleibt das auch so. Doch wenn man anfängt, ein wenig zu interpretieren finden sich schnell Theorien über Madotsuki, ihr Leben und ihre Träume. Wenn man mal ein wenig im Internet stöbert, stößt man schnell auf viele Interpretationen des Spieles, sehr viele gute und sinnige. Aber wie man das alles interpretiert, hängt letztendlich von einem alleine ab und davon, was man mit den Dingen asoziiert.

Ein paar besonders eindringliche Beispiele möchte ich in einem Spoiler bringen. Wer das Spiel noch nicht gespielt hat, sollte ihn logischerweise lieber nicht öffnen, den der große Spaß an Yume Nikki ist eigentlich das Interpretieren. Das geht aber nur, wenn von unvoreingenommen in das Spiel rein geht und sich seine eigenen Gedanken macht. Was ich dem Spoiler voran noch sagen möchte ist, dass ich die ganten Theorien im Internet als gleichwertig sehe. Yume Nikki bietet einem da viel Freiraum und nur wenige wirkliche Anhaltspunkte (wie zum Beispiel den OST oder das Ende), sodass viele Theorien auf den ersten Blick doch recht abgefahren wirken können. Richtig und falsch gibt es hier nicht.

Spoiler

Fangen wir am besten mit ein paar Kleinigkeiten an. Da war zum Beispiel eine Traumebene in so etwas wie einem Supemarkt. Da liefen viele Leute rum und als ich versuchte, sie anzusprechen kam lediglich ein knisterndes Geräusch, welches ich als sehr abweisend empfand. Diese Szene war eine der ersten in der Yume Nikki Welt für mich und so war mein Bild von Madotsuki davon ziemlich geprägt. Denn das wirkte auf mich, als ob Madotsuki sich auch in der realen Welt, dessen Spiegel diese Traumwelt ja ist, auch ignoriert und abgewiesen fühlt. Wenn nicht gar gemobbt. Diese Theorie mit dem Mobben wurde auch in einer anderen Welt verdeutlicht. Seltsame Gestalten, mit breiten Grimassen und schriellen Farben, folgten Madotsuki plötzlich überall hin. Daraus zog ich ein Gefühl des Verfolgtseins, was im Falle von Mobbing ja ziemlich gut zutreffen könnte. Auch solche Monster wie diese unterstützen meine Theorie. Klassisch dem gebräuchlichem Begriff der Lästermäuler scheint Madotsuki in einer Welt festzustecken, wo alle reden, nur sie nicht. Dass sie dadurch auch wieder ausgeschlossen scheint brauche ich wohl nicht extra zu erwähnen. Überall sind grausiige Kreaturen, Madotsuki ist förmlich umzingelt von ihnen. Darüber hinaus gibt es noch eine Theorie, die dramatisch weiter geht. Nämliche besagt, dass Madotsuki vergewaltigt wurde. Auf diese Idee wäre ich eher nicht so schnell gekommen, doch wenn man die vielen Waldstraßen bedenkt, wo Madotsuki von grausigen Kreaturen beobachtet wird, klingt es eigentlich gar nicht so unglaubwürdig. Vor allem in der Eyeball-Ebene, wo die ganzen Hände nach ihr greifen, wirkt es schon so.


Fest steht für mich auf jeden Fall, dass Madotsuki nicht gut in ihre Gesellschaft integriert ist und der Grund dafür in ihrer Vergangenheit liegt. Denn wenn man durch ganz viele Ebenen geht entdeckt man irgendwann, ganz tief in Madotsukis Unterbewusstsein drinnen Poniko. In meiner Interpretation ist Poniko Madotsukis früheres Ich, welches vor einem einschlägigen Ereignis wahrscheinlich fröhlich und weniger traumatisiert gewesen ist. Ob jetzt die Ursache dessen die Vergewaltigung gewesen ist oder was anderes ist noch eine Lücke in meiner Theorie. Ich mache demnächst ein Replay und hoffe noch mehr zu entdecken, was auf dieses bewegende und traurige Ende hinweist. Dass Poniko Madotsuki ignoriert könnte nämlich ein Hinweis darauf sein, dass es für Madotsuki kein zurück mehr zu ihrer alten Persönlichkeit gibt, woraus sie dann beschließt, sich umzubringen. Viele interpretieren ihren Selbstmord als Befreiung aus dieser Traumwelt. Demnach soll alles ein Traum gewesen sein, zum Teil ist auch von Koma-Traum die Rede und mit dem Sprung vom Dach befreit sich Madotsuki daraus. Diese Theorie ist eine der wenigen, die ich nicht mag. Wenn man annimmt, dass diese Ereignisse in ihren Träumen auf einen Unfall und darauf folgenden Koma zurück zu führen sind schon, aber das passt nicht zu meinem Glauben, dass Madotsuki den Selbstmord als letzten Ausweg aus einer Welt sieht, wo sie nicht hingehört. Sehr traurig, aber in meinen Augen viel passender, weil es eben ein handfestes Ende ist.


Diese Interpretationsansätze sollten jetzt nur ein kleiner Einblick in meine Sicht auf das Spiel sein. Ich könnte das noch viel weiter ausführen, aber in einer Diskussion wäre das ganze spannender. Vielleicht findet sich hier auf DN ja noch jemand, der das Spiel gespielt hat. Lohnen tut es sich auf jeden Fall für Leute, die sich gerne mal einer Atmosphäre hingeben und nichts dagegen haben, mal ein wenig was zu deuten und zu interpretieren. Für mich ist dieses Spiel das beste überhaupt, eben wegen dieser Möglichkeiten. Madotsuki ist ein sehr interessanter Charakter, in den man viel von sich selbst rein steckt, wenn man anfängt, über sie nachzudenken. Deswegen ist sie auch zu meiner Namensgeberin im Internet geworden und deswegen empfand ich ihr Ende auch als besonders traurig und berührend und dieses Spiel als herausragend und empfehlenswert. Weil jeder in Madotsuki was anderes sehen wird und jeder letzten Endes im Rahmen der Anhaltspunkte recht hat.

Ich hoffe mal, ich habe mich hier mit meinem ersten, eigenen Thread nicht allzu doof angestellt.^^
23.06.2012 13:52
Dumpfmoebel
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Yume Nikki ist gerade wohl so ziemlich die größte virtuelle Herausforderung, der ich mich je gestellt habe - ich bin furchtbar darin, Puzzles zu lösen, extrem ungeduldig und mache mir außerdem beim kleinsten surrealen Horror in die Hosen. Jedes mal, wenn ich das Spiel starte, hab ich schon Herzrasen und schwöre mir immer, dass ich sofort aufhöre, sobald ich einen Effekt finde.

Aber letztendlich kommt es dann nie so und es endet damit, dass ich stundenlang durch die atemberaubenden, verwirrenden oder furchterregenden Landschaften und Räume streife - ich brauche zwar manchmal fünf Minuten, bis ich mich traue, die nächste Gegend zu betreten oder eine Tür zu öffnen, aber trotz dieser Angst macht Yume Nikki unglaublichen Spaß und ist sehr, sehr inspirierend. Ich muss auch zugeben, ich habe mich hinsichtlich einiger Schockmomente (Stichwort: Uboa :D ) gespoilert, um allzu schlimme Angst zu vermeiden, aber sonst würde ich das Spiel gar nicht spielen und ich habe bis jetzt auch nur ein einziges Mal ein Walkthrough konsultiert (ich bin einfach nicht durch so ein beklopptes unsichtbares Labyrinth gekommen).

Die Atmosphäre ist einfach super und nie wirklich grob gruselig (im Gegensatz zu .flow, was ich trotz der Tatsache, dass ich es nicht auf Englisch installiert bekomme, problemlos zocken kann), dafür immer etwas verwirrend und geheimnisvoll - manchmal fragt man sich einfach nur "auf welchen Drogen war Kikiyama eigentlich?!", manchmal fühlt man sich an Dinge erinnert oder wird spontan inspiriert. Da jeder anders träumt, kann ich auch nicht wirklich sagen, ob die Traumwelten realistisch sind (für mich sind sie etwas zu surreal, meine Träume finden in logischen Umgebungen statt, die Handlungen und Physik sind dafür aber falsch - das trägt jetzt aber eher wenig zum Thema bei) , aber sie sind unglaublich faszinierend.

Was das Spiel für mich so gruselig macht, ist die monotone, teilweise unheimliche Musik und plötzliche Stimmungsschwankungen der Umgebungen. Mein persönlicher Hassort ist ja die Eyeball World, jedes Mal, wenn ich dort diesen Blut heulenden Gesichts...dingern über den Weg laufe, mache ich aus, ich hasse die so. Aber ich bin da sehr empfindlich und viele werden beim Spielen kaum Angst verspüren, höchstens mal durch das ein oder andere Randomevent erschreckt.

Das interessanteste sind ja die vielen Deutungsmöglichkeiten. Ich finde es fast schade, dass ich das Ende schon kenne, obwohl ich noch nicht durch bin; es ist nicht so spektakulär, aber es bietet viel Freiraum für Theorien, ähnlich wie einige Welten, Gegenstände und Personen. Ich persönlich denke so:

Spoiler

Mir gefallen die ganzen Theorien hinsichtlich Vergewaltigung u.ä. nicht - trotz einiger Hinweise wie das FACE-Event, die Welt, in die man durch Berühren von Uboa geschickt wird, und so weiter. Meiner Meinung nach ist Madotsuki depressiv, vielleicht anderweitig psychisch gestört, aber ihr Leben ist durchaus trist (ihre einzige wache Beschäftigung ist das Spielen von NASU) und dass sie sich bis zum bitteren Ende weigert, ihr Zimmer zu verlassen, macht sie zu einem eindeutigen Hikkikomori (ich wette, dass ich das jetzt falsch geschrieben habe, tut mir leid). Um dieser Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit zu entkommen - vielleicht wird sie gemobbt und ausgeschlossen, mein Lieblingshinweis darauf ist das Toriningen-Picknick - flüchtet sie sich in die vielen bunten Möglichkeiten der Traumwelt, aber nachdem sie alles gesehen, also alle Effekte gefunden hat, hat das Leben für sie endgültig den Sinn verloren und sie begeht Selbstmord.
Es könnte auch ganz Inception-like die Flucht aus einem weiteren Traum sein, aber das glaube ich nicht.


Trotzdem denke ich fast, dass Kikiyama nichts derartig tiefsinniges aussagen wollte, wahrscheinlich war sein Ziel eher, diese besondere Atmosphäre zu kreieren, das ganze unwirklich wirken zu lassen. Ein Element aus dem Ende taucht ja auch öfter im Traum auf, es ist einfach schwer zu erklären, wahrscheinlich gibt es keine Erklärung.

Aber dennoch sollte man Yume Nikki irgendwann einmal gespielt haben. Es ist unglaublich interessant und es gibt so viel zu entdecken, und wenn man genau wie ich beim Anblick all dieser komischen Dinge Bammel bekommt, ist es auch noch ziemlich gruselig.

Ich spiele nicht oft Videospiele, aber Yume Nikki ist der Wahnsinn.

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Ah, how laughable it is.

Bereit für einen kleinen Niveausturz? Mein Tumblr [NSFW]

23.06.2012 19:31
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Nigoki




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Also ich mag das Spiel persönlich sehr, hab es vor wenigen Tagen durch ein Fanart zufällig gefunden, weil einer bei tumblr.com eines gepostet hatte, von einem Charakter, den ich sehr interessant fand. ( wodurch ich mich erstmal zum Spiel googeln musste~ )
Das Gameplay ist zwar simpel, aber ich finde so such-Spiele auch amüsant, es sei denn, man findet stundenlang gar nichts. ( für die letzten 4 Gegenstände im Spiel brauchte ich eine Komplettlösung, weil ich die Wege einach übersehen hatte.. :'D )

Spoiler

Und ich mag die Gegenstände, weil sie das Äußere verändern und weil sie manchmal niedliche zusatz-animationen haben, bei ein paar wenigen sogar mit nutzen dabei. (Messer, Katze, Ampel,...)


Bzw. finde ich allgemein die verschiedenen Charaktere in dem Spiel sehr interessant, allein schon vom Design her und weil man sich dazu eine eigene Geschichte ausdenken kann, da seeeehr viel Raum Eigeninterpretationen gelassen wurde.

Ich habe ein (angebliches) Interview mit dem Kikiyama gelesen und...

Zitat von Madotsuki

Diese Interpretationsansätze sollten jetzt nur ein kleiner Einblick in meine Sicht auf das Spiel sein.


Spoiler

...es schien nicht so, als sei etwas konkretes, so Storytechnisch, hinter all das gewollt, außer die Gestaltung und der Interpretationsfreiraum.
Es wurde gesagt, dass er Träume sehr interessant findet und Spiele halt auch und dies verbinden wollte und somit ein Spiel über Träume plante und machte.
Und da eine ehemalige Freundin, von ihm, selbstmord beging, udn das gute in das ganze Wirre passte, schuf er Madotsuki, vom groben aussehen und halt das Ende, nach ihrem Aussehen.

Ob das aber nun wirklich der Kikiyama war, der das erzählte, ist nicht wirklich nachweisbar. Zumindest hat er bei erwähnung der Charaktere keine Namen benutzt, so wie die Fans ihnen welche gaben, sondern nur so grobe beschreibungen, damit man wusste, wer gemeint war. Demnach könnte er es tatsächlcih gewesen sein, weil ein Fan sich in Sachen Namen eventuel verplappert hätte. X'D
25.06.2012 19:04
Leon S.
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@Link

Spoiler

Zitat von Link

...es schien nicht so, als sei etwas konkretes, so Storytechnisch, hinter all das gewollt, außer die Gestaltung und der Interpretationsfreiraum.

Wäre cool, wenn er das wirklich gesagt hat. Denn dieses Gefühl hat man beim Spielen ja auch, dass man sich eben einfach darauf einlässt und sellbst die Story schreibt mit dem, was man erlebt hat, worauf man mehr achtet. Dadurch, dass Kikiyama selbst nur sehr wenige Hinweise darauf gab, kann man eben soviel herum interpretieren, wie man will. Spannend ist ja, dass man das darin sieht, was man selbst erlebt oder gehört hat. Das sieht man auch an den vielen, unterschiedlichen Theorien.Mir zum Beispiel liegt es nah, eine gewisse Lebensüberdrüssigkeit und Ausweglosigkeit zu interpretieren da ich sie von mir selbst oder anderen schon kenne. Wer allerdings eher optimistisch und positiv gestimmt ist in seinem Leben neigt eher dazu, das Ende als Erwachen aus einem Traum im Traum zu sehen. Schließlich kann man aus der Optik und den Welten endlos viele Anhaltspunkte dafür ziehen, wie zum Beispiel hier auch, dass Madotsuki eben auch im realen Dasein geschlossene Augen hat und um in andere Traumebenen zu kommen eben wieder Betten dienen.


@Dumpfmoebel

Zitat von Dumpfmoebel

Ich muss auch zugeben, ich habe mich hinsichtlich einiger Schockmomente (Stichwort: Uboa ) gespoilert, um allzu schlimme Angst zu vermeiden, aber sonst würde ich das Spiel gar nicht spielen und ich habe bis jetzt auch nur ein einziges Mal ein Walkthrough konsultiert (ich bin einfach nicht durch so ein beklopptes unsichtbares Labyrinth gekommen).


Oh ja, dieses Gefühl kenne ich! Was mich davon abhält, mich total zu erschrecken ist die Tatsache, dass man ja Gott sei Dank immer wieder aufwachen kann, wenn es zu schlimm wird. Ein paar Sachen wirken aber echt schon nahezu verstörend. Aber nur, weil sie im richtigen Moment, zur richtigen Stimmung gezückt wurden. Ich weiß nicht, ob du dort schon gewesen bist, aber besonders schlimm war für mich folgender Moment in der Wüste:

Spoiler: "Eventspoiler"

Ich freue mich gerade darüber, in einer helleren Gegend zu sein und bin ein wenig erleichtert, trotz der Trostlosigkeit der Wüste. Ich versuche ein paar seltsame Kästen (weiß nicht mehr, was es war), zu aktivieren, und plötzlich kommt Rave Monkey.... An sich ist das Ding gar nicht so gruselig, aber als es dann unangekündigt auftauchte. Abgesehen davon, dass diese Szene mit dem Affen total bekifft kommt und fast schon glauben lässt, dass Madotsuki selbst teilweise den Drogen erlegen ist, ist es schon wieder ein aztekisch wirkendes Bild. Diese Kultur scheint oft als Motiv zu dienen. Vielleicht steckt was dahinter, aber für mich lässt das ganze es einfach nur noch einen Hauch mysteriöser wirken.


Spoiler: "Theoriespoiler"

Zitat von Dumpfmoebel

Mir gefallen die ganzen Theorien hinsichtlich Vergewaltigung u.ä. nicht - trotz einiger Hinweise wie das FACE-Event, die Welt, in die man durch Berühren von Uboa geschickt wird, und so weiter. Meiner Meinung nach ist Madotsuki depressiv, vielleicht anderweitig psychisch gestört, aber ihr Leben ist durchaus trist (ihre einzige wache Beschäftigung ist das Spielen von NASU
Ich sehe es auch lediglich als möglich an, mag es aber nicht. Ich stimme eher deiner Theorie zu, dass Madotsukl auch so schon psychisch fertig ist. Aber einige gehen da ja noch weiter und fügen in ihre Theorie ein, dass Madotsuki schwanger ist. Und da haben wir wieder die subjektive Wahrnehmung. Während für mich diese starken Kontraste und skurilen Muster lediglich atmosphärisch-düster wirken, gehen andere so weit zu sagen, dass das sehr an die Atmosphäre in der Gebärmutter erinnert, mit dem komlett schwarzen Hintergrund. Ich würde jetzt nicht sagen, dass diese Theorie ihre Daseinsberechtigung nicht verdient hat, aber für meinen Geschmack ist sie doch ein wenig weit hergeholt.
25.06.2012 19:45
Chojin
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RE: Yume Nikki   

Soooo, nun komme ich denn auch endlich dazu, zu diesem wahren Kunstwerk von RPG meinen Senf zuzugeben :D Zunächst einmal ist zu sagen, dass die Grafik recht einfach gehalten ist, an manchen Stellen fühle ich mich regelrecht an die guten alten Amiga-Zeiten erinnert, manches besitzt sogar schon richtiges "C64-Niveau", ganz wie bei einem guten alten Klassiker aus den 80ern. Und gerade diese hervorragende grafische Gestaltung trägt ganz entscheidend zur Atmosphäre des Spiels bei. Noch mehr jedoch die Musik, denn die ist wahrhaft gelungen! Hypnotisch veträumte Nummern wechseln sich ab mit schrägem Techno und manchmal recht skurillen Sounds. Nicht jedermanns Geschmack, aber meiner auf jeden Fall!

Dennoch handelt es sich bei "Yume Niki" definitiv nicht um ein klassisches Rollenspiel. Eher um ein surrealistisches Kunstwerk, mit einer einzigartigen Besonderheit (zumindest ist mir bisher nichts Vergleichbares begegnet): Es wird absolut keine Hintergrundstory geliefert. Diese darf sich der Spieler komplett selbst zusammenbasteln, was großen Spaß bereitet. Ich bin noch nicht bis zum Ende durch, kann aber trotzdem bereits einen Teil meiner Variante zum Besten geben. Wer noch gar nicht gespielt hat, sollte diesen Spoiler also logischerweise unberührt lassen. Zudem handelt es sich natürlich nur um einen Teil, und da ich nicht weiß, wie das Ending des Spiels aussieht, bleibt es weiterhin spannend, wie sich diese Geschichte entwickelt.

Spoiler

Madotsuki hat ganz offensichtlich ein Problem mit sich und der Gesellschaft. Dessen war ich mir schon bewusst, bevor ich überhaupt einen Fuss in eine der Traumebenen gesetzt habe. Die Tatsache, dass sie stur den Kopf schüttelt, wenn man versucht, die Spielfigur aus der Zimmertür zu steuern sagt schon alles. Nein, Madotsuki verlässt die Wohnung nicht, sie geht nicht vor die Tür!

Als nächstes möchte ich die Traumebene mit den vielen farbigen Bildern nennen. Dort hat sie die Möglichkeit, sich hinter den Bildern zu verstecken. Ein Indiz dafür, dass sie nicht gern von anderen Menschen gesehen wird. Die starke Symetrie in den Bildern zeigt, dass Madotsuki von ihren Eltern sehr streng erzogen wurde! Nehmen wir die ersten Effekte hinzu, die ich fand (Langes Haar und Blondes Haar) ist das Bild komplett: Madotsuki würde gerne anders aussehen! Aber: Würde sie gerne anders aussehen, weil sie sich selbst hässlich findet, oder weil sie nicht will, dass die anderen Menschen sie schön finden? Da der Verdacht, was in der Hinsicht los sein könnte noch zu vage scheint, und ich meine komplette Theorie gerne für meinen Schlusspost aufheben möchte, ziehe ich es vor, an dieser Stelle noch nicht allzu viel zu verraten.

Dann, in der Ebene mit den Bildern, die Unterbebene, das dunkle Gewölbe mit den vielen Waschbecken. Madotsuki hat ganz offensichtlich ein Problem mit der Gesellschaft. Die vom Schönheitswahn und dem Hang zur Sauberkeit zerfressene Gesellschaft ist in Wahrheit krank und schmutzig. Wenn sie aus einem der dunklen Fesnter schaut, erblickt sie eine hässliche Gestalt, aus dessen Auge eine Hand ragt, für mich ein Sybol dafür, wie hässlich die Gesellschaft in Wahrheit ist, und das alles wird mit Schminke, Make-up und allerlei Kosmetika übertüncht. Und dafür stehen die Waschbecken! Gesichtloser Geist als Effekt sagt jawohl auch schon alles!

Die Schneelandschaft wirkt ebenfalls, abgesehen der paar Bäume recht leer, und soll wohl zusätzlich Kälte symbolisieren. Dann der Effekt, der Madotsuki in ein kühles Schneefräulein verwandelt. Alles deutet darauf hin, dass sie Probleme mit Wärme und Nähe zu anderen Personen hat, ihre Emotionen stark unterkühlt sind, durch schreckliche Ereignisse in ihrem näheren Umfeld.

In der dunklen Ebebe habe ich mich gefragt, ob Madotsuki nicht unter ernsthaften Depressionen leidet. Desweiteren unter dem Gefühl, ständig beobachtet zu werden, wofür die unheimlichen roten Augen stehen. (Die allerdings zu einer sichtbaren Gestalt werden, wenn Madotsuki den Effekt "Lampe" benutzt). Die Wüstenebene (Unterebene der dunklen Ebene) zeigt in Stein gemeißelt unglückliche Gesichter in verschiedenen Lagen. Deutet das vielleicht darauf hin, dass Madotsuki nicht glücklich sein kann, es aber gerne sein würde?

Effekt Messer! Hmmm... Gegen sich selbst gerichtet? Oder würde sie gerne all ihre Mitmenschen töten?

Labyrinth symbolisiert Orientierungslosigkeit. Mann, dort gibt es sogar eine Toilette rofl Symbol für die seelische Müllabfuhr? Fühlt sie sich vielleicht unsauber? Effekt Regenschirm. Effekt Hut und Schal. Hmmm... Dann gibt es da eine Ebene, die irgendwie bodenlos wirkt, und in der Leere wird dieselbe Ebene sich bewegend wiedergespiegelt. Ist sie dabei den Boden unter den Füssen zu verlieren? Die Gesichter an den Wänden in dieser Ebene, welche menschliche Körperteile haben (Arme und Beine) schauen glücklich rein, die mechanisch, im wahrsten Sinne des Wortes computerhaft wirkenden Gesichter hingegen nicht. Hmmm...

Eine Ebene, die nur aus bunten Lichtern besteht. Gesichter aus bunten Lichtern, allerlei Viehzeugs... Wieder labyrinthartig, Hintergrund tiefschwarz.

In einer Ebene befinden sich alles Bildnisse von sonderbaren Gestalten. Manchmal halten sie einen gleichfarbigen Kopf von sich in der Hand (bzw Kopf als auch Gestalt nur Konturen), oder der Kopf, den sie in der Hand halten hat eine andere Farbe (bzw Gestalt Konturen, Kopf ausgefüllt, oder umgekehrt). Der andere Kopf befindet sich stets in der rechten Hand statt in der Linken, der gleiche Kopf in der Linken Hand. Die beiden schwebenden Hintergrundfiguren sind verschiedenfarbig, die eine dunkel, die andere hell. Sind das vielleicht ihre Eltern? Die Gestalt mit dem Kopf in der Hand ihr Vater? Der Kopf in der Hand der Gestalt (bzw des Vaters) wirkt ziemlich hilflos.

So, das sind jetzt schon alles sehr viele Interpretationsmöglichkeiten, in vielen Ebenen wird dem Spieler eine wahre Flut von Informationen gegeben, die sich sehr verschieden interpretieren lassen. Jeder Mensch ist anders, weshalb auch jeder Mensch die Informationen aus Madotsukis Traumwelten anders aufnimmt und interpretiert. Zudem gibt es in diesem Spiel auch Gegenden, die wahrscheinlich nur dazu dienen, die surrealstische Atmosphäre noch weiter anzukurbeln, weshalb ich auch nicht auf jede Ebene eingegangen bin, die ich durchstreift habe.

Spoiler

Beispielsweise gibt es da ein orangefarbenes, sehr weitverzweigtes Labyrinth, durch das man in verschiedene Ebenen gelangen kann, und noch vieles mehr. Besonders erwähnenswert allerdings die Traumebene mit den vielen abgetrennten Körperteilen und den ausgestochenen Augen. Und abgehackte Köpfe, denen man die Augen rausgeschnitten hat, so das aus den leeren Höhlen noch das Blut läuft. Was ich mittlerweile wirklich glaube? Wenn ich zusammentrage, dass das Problem offensichtlich Madotsukis Eltern sind (sie wurde streng erzogen, in eine Ebene die Eltern als große schwebende Hintergrundfigur, und ihr Vater, der ihren Kopf in der Hand trägt, wie eine wehrlose Puppe), wage ich es jetzt einfach mal, davon auszugehen, dass Madotsuki ihre eigenen Eltern ermordet hat! Dafür spricht denn auch der Effekt mit dem Messer, wie ich finde! Na, wer teilt diese Meinung mit mir?

So, mehr kann ich dazu noch nicht sagen, aber ich leugne nicht, dass ich schon wahnsinnig gespannt auf die Auflösung bin! Ich weiß, was hier in meinem heutigen Post zu diesem Spiel steht, lässt noch viele Fragen offen, aber ich bin ja auch noch nicht durch, und einiges möchte ich denn jetzt auch noch nicht verraten, da dies einfach besser in die Auflösung passt zwinker

Zitat von Madotsuki

Lohnen tut es sich auf jeden Fall für Leute, die sich gerne mal einer Atmosphäre hingeben und nichts dagegen haben, mal ein wenig was zu deuten und zu interpretieren. Für mich ist dieses Spiel das beste überhaupt, eben wegen dieser Möglichkeiten. Madotsuki ist ein sehr interessanter Charakter, in den man viel von sich selbst rein steckt, wenn man anfängt, über sie nachzudenken.

Dem kann ich mir nur anschließen! Gerade Freunde von tiefgründiger Kost werden an diesem Spiel wohl ihre wahre Freude haben. "Yume Nikki" ist definitiv etwas anderes, als irgend so ein Game, in dem man wahllos irgendwelche Leute oder Viecher niederstreckt, Erfahrungspunkte sammelt, verschiedene Quests erfüllt, dies aber alles im Rahmen einer bereits vorhandenen Hintergrundstory tut. Doch hier lautet das Prinzip: Beweg dich durch Madotsukis Universum, und erschaffe dabei deine eigene Geschichte. Das ist es, was ganz klar den Reiz dieses Spiels ausmacht, deshalb auch von meiner Seite aus eine dicke Empfehlung an alle, die einen Beweis dafür suchen, dass es auch Computerspiele gibt, die eine echte Bereicherung für die Phantasie darstellen!


LG
Chojin

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Dieser Beitrag wurde 5 mal editiert, zum letzten Mal von Chojin am 16.07.2012 19:07.

16.07.2012 18:56
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Ersteinmal: Wow, tolle Interpretation, wenn du auch noch nicht ganz zuende gespielt hast, gehst du schön ins Detail.

Spoiler

Zitat von Chojin

Gesichtloser Geist als Effekt sagt jawohl auch schon alles!

Interessant, wie du das verbindest. Bei mir war dieser Effekt eher dafür, dass Madotsuki versucht, ihre wahren Gefühle zu verstecken. In meiner Theorie hat sie auch Probleme mit sich und der Gesellschaft, weswegen sie sich verschließt und vollkommen introvertiert ist. Dieser Effekt könnte allerdings auch dafür stehen, dass andere nicht sehen, wie schlecht es Madotsuki eigentlich geht. Darauf läuft ersteres zwar hinaus, aber zweiteres ist ohne bewusstes verstecken ihrer Gefühle gemeint. Dass die Gesellschaft letzten Endes vielleicht auch gar nicht sehen will, dass Madotsuki leidet.

Zitat von Chojin

Effekt Messer! Hmmm... Gegen sich selbst gerichtet? Oder würde sie gerne all ihre Mitmenschen töten?

Zumindest verschafft es ihr Respekt bei den anderen Wesen in der Traumwelt, die dann vor ihr flüchten, wenn sie mit dem Messer rumläuft. Daraus schließe ich, dass sie in ihrem Leben schon versucht hat, sich gewaltvoll einen Weg zu bahnen, was aber offensichtlich nicht funktioniert hat. Vielleicht, weil sie letzten Endes zu labil dafür gewesen ist. So wirkt sie zumindest auf mich. Von der Theorie, dass Madotsuki eine Mörderin ist, bin ich nicht so begeisert. Zumindest nicht direkt. Was ich besser finde ist, wenn sie Schuldgefühle wegen eines Todes hat, für den sie eigentlich nichts kann, sich die Schuld aber trotzdem zuspricht. Deswegen das Messer und ihr mörderischer Charakter in ihren Träumen. Direkt einen Mord traue ich ihr nicht zu, dafür wirkt sie auf mich zu zerbrechlich.

Zitat von Chojin

Die Schneelandschaft wirkt ebenfalls, abgesehen der paar Bäume recht leer, und soll wohl zusätzlich Kälte symbolisieren.

Da kommt ja noch hinzu, dass die anderen Inuit sie eiskalt ignorieren. Das ist nicht nur in dieser Welt, sondern beispielsweise auch im Kaufhaus so, wo man versucht, mit Madotsuki die Leute anzusprechen, und dann nur so ein abweisendes, knisterndes Geräusch kommt. Für mich eindeutig ein Zeichen dafür, dass Madotsuki von der Welt missverstanden und ignoriert wird oder sich zumindest so fühlt.

Zitat von Chojin

Beispielsweise gibt es da ein orangefarbenes, sehr weitverzweigtes Labyrinth, durch das man in verschiedene Ebenen gelangen kann, und noch vieles mehr.

Allgemein übrigens auch "Hölle" genannt. Dort findet man allerlei, aber das Spannendste ist immer noch der Geist von Madotsuki. Wenn man deine Theorie mit den strengen Eltern ausweitet, kann man das wie folgt interpretieren:

Spoiler: "Ende"

Das kann man als Hinweis auf das Ende sehen, in dem Madotsuki sich umbringt. Und wenn ihre Eltern vielleicht sogar streng gläubig sind, dann läuft Madotsukis Ende sowieso auf die Hölle hinaus. Das würde implizieren, dass Madotsuki diesen Wunsch zu sterben schon länger in sich trägt, aber immer wieder noch darüber nachdachte, was ihre Eltern wohl davon halten.

Oder ganz simpel: Madotsuki fühlt sich in dieser Welt einfach tot und unbedeutend, was durch den Geist symbolisiet wird.

Zitat von Chojin

Nehmen wir die ersten Effekte hinzu, die ich fand (Langes Haar und Blondes Haar) ist das Bild komplett: Madotsuki würde gerne anders aussehen!

Zu dieser Theorie eng verbunden sehe ich Poniko. In meinen Augen ist Poniko das Idealbild einer Person, wie sie Madotsuki gerne wäre. Dass dieser Wunsch tief in ihr verankert ist scheint ja ziemlich festzustehen, anhand dieser Effekte. Man kann es aber auch so sehen, dass Madotsuki diese unterschiedlichen Darstellungen von sich wählt, um wandelbar zu sein und sich anzupassen. Krampfhaft versteht sich, da sie sonst nicht akzeptiert werden würde.

Ich bin dann mal gespannt, was du zum Ende sagst.
25.07.2012 14:22
Chojin
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verdiente Marken: 29

  

Boah, das Ending von "Yume Nikki".... Ich muss sagen: Ich bin beeindruckt... Und geschockt. Woah shock Ich habe schon ein krasses Ende erwartet, aber DAS hat mich dann doch wirklich getroffen! Kommen wir nun aber dazu, wie ich diese Geschichte sehe:

Spoiler

Zunächst ist mir denn auch von Anfang an klar, dass Madotsuki desöfteren unter unkontrollierbaren Wutausbrüchen leidet. Das "orangefarbene Labyrinth" (also die Hölle) habe ich nämlich eher mit dem Inneren eines brodelnden Vulkanausbruches assoziiert. Okay, nun also:

Zitat von Madotsuki

Von der Theorie, dass Madotsuki eine Mörderin ist, bin ich nicht so begeisert. Zumindest nicht direkt. Was ich besser finde ist, wenn sie Schuldgefühle wegen eines Todes hat, für den sie eigentlich nichts kann, sich die Schuld aber trotzdem zuspricht. Deswegen das Messer und ihr mörderischer Charakter in ihren Träumen. Direkt einen Mord traue ich ihr nicht zu, dafür wirkt sie auf mich zu zerbrechlich.

Zerbrechlich finde ich sie auch (ich nehme jetzt mal an, du meist im physischen Sinne, falls nicht, berichtige mich einfach in der Hinsicht ^^), und nach diesem Ende habe ich meine Theorie auch ein bisschen verändert. Allerdings nur ein bisschen, denn: Für mich sind Madotsukis Eltern beide tot. Warum? Madotsukis Vater hat sie jahrelang sexuell missbarucht. So lange, bis in Madotsuki etwas kaputt gegangen ist, sie sich zur Wehr gesetzt hat... Sie nahm einen Aschenbecher, und schlug diesen ihrem Peiniger über den Kopf. Der Vater brach augenblicklich zusammen, die Wunde war tödlich. Madotsukis Mutter hatte nie etwas davon mitbekommen, dass ihr Mann die eigene Tochter missbrauchte, und als sie das Schlafzimmer betrat, ihre weinende Tochter und ihren toten Mann dort vorfand, war sie mit dieser Situation dermaßen überfordert, dass sie sich augenblicklich vom Balkon stürzte. Aber, das sehe ich genauso: Ja, sie hat große Schuldgefühle! Allerdings nicht wegen der Eltern, aber das gibt's im zweiten Spoiler zu lesen!

Am Ende hat Madotsuki es ja ihrer Mutter gleichgetan. Da sie wusste, dass ein Aufprall aus dieser Höhe auf jeden Fall tödlich endet, und sie nach all diesen schrecklichen Ereignissen nicht mehr weiterleben konnte. Nie hatte sie den Mut aufgebracht, mit ihrer Mutter über Vaters sexuelle Misshandlungen zu reden. Sie hatte es sich nicht getraut, weil ihre Eltern beide sehr streng waren, und sie befürchtete, auch bei ihrer Mutter, die eh Angst vor ihrem Mann hatte, kein offenes Ohr zu finden, geschweige denn Hilfe. Allein die dunklen Städte und die vielen Laternen, von denen die meisten ausgeschaltet waren, zeugen für das, was geschehen ist: Madotsuki ist von ihrem Vater sexuell missbraucht worden, aber niemand sonst hat was davon mitbekommen. Diese Eregnisse liegen quasi im Dunkeln, deshalb die Laternen, von denen sich viele überdies gar nicht einschalten lassen. Weil der Vater seine Tochter, wenn man so will, in eine dunkle Gasse gezerrt hat, wo es keine Hilfe gibt.

Aber es gibt noch andere Dinge, die diese Auffassung stützen. Die Toiletten in der Stadt, die Waschbecken in der Kanalisation... Das alles deutet darauf hin, dass Madotsuki sich schmutzig und unaständig fühlt. Eben weil sie sexuell missbraucht wurde. Man könnte sogar soweit gehen, zu sagen, dass im Traum der Vater durch das rote Kanalmonster verkörpert wird, welches Madotsuki verschlingt. Er verschlingt Madotsukis Seele, oder besser, er hat sie schon verschlungen, will sie unbedingt besitzen. Sie ist sein Eigentum, für immer, und wenn er sie verschluckt, wird sie für immer in ihm sein!

So, und damit der Spoiler nicht so groß wird, packe ich den Rest in einen weiteren Spoiler. Nein, ich bin noch nicht fertig mit meinen Ausführungen, diese Maßnahme dient einzig und allein der guten Übersicht.

Spoiler

Die Begegnung mit Poniko war ein schönes Erlebnis, und hat mir zugleich gezeigt, dass Poniko mal Madotsukis beste Freundin war. Dies wurde mir vor allem dadurch bewusst, wie wunderschön und freundlich Ponikos Zimmer eingerichtet war, und durch den Lichtschalter. Ja, Madotsuki kann tatsächlich in Ponikos Zimmer das Licht ausschalten, woraufhin die beiden im Dunkeln dastehen. Für mich eindeutig ein Symbol dafür, dass die beiden Mädchen sich gegenseitig blind vertrauen. Ja, sie können sich gemeinsam in einem dunklen Zimmer aufhalten, Jepp. Doch während eines Discobesuches gemeinsam mit ihrem Freund Norikazu auf einer Rave-Party (ja, hier habe ich mich jetzt auf den ravenden Affen in der Wüste und das Video, welches allerdings nur manchmal im Fernsehen auftaucht bezogen ^^) hatte ihr jemand eine hohe Dosis (hier jetzt nicht weiter spezifizierte) Drogen untergejubelt, wahrscheinlich um sie zu verführen. Zwar hatte Norikazu gemerkt, dass mit Poniko etwas nicht stimmte, und sofort den Notartzt verständigt, doch als dieser kam, war Poniko bereits tot. Somit war Norikazu für Madotsuki noch der einzige Mensch mit dem sie reden konnte, auch wenn sie von dem Missbrauch durch den Vater nur Poniko erzählt hatte. Weil sie absolut nicht wusste was sie tun sollte, nachdem ihre Mutter sich vom Balkon gestürzt hatte, rief sie also bei Norikazu an. Der fuhr gerade mit seinem Auto auf einer vielbefahrenen Straße, und verunglückte durch die Ablenkung von Madotsukis Anruf tödlich, weshalb Madotsuki sich wahnsinnige Vorwürfe machte. Auch diese Szene spiegelte sich in Madotsukis Träumen wieder, auf der Straße im Wald, wo ein blutiges Unfallopfer zu sehen ist! Somit hat Madotsuki keinen einzigen Menschen mehr auf der Welt, mit dem sie sich austauschen kann. Mit der Gesellschaft hat sie denn auch größte Probleme, aufgrund des jahrelangen Missbrauchs sorgt ihr sonderbares Verhalten dafür, dass sie von so gut wie allen Menschen abgelehnt wird.

Zitat von Madotsuki

...wo man versucht, mit Madotsuki die Leute anzusprechen, und dann nur so ein abweisendes, knisterndes Geräusch kommt. Für mich eindeutig ein Zeichen dafür, dass Madotsuki von der Welt missverstanden und ignoriert wird oder sich zumindest so fühlt.

Gerade diese Szene in dem Kaufhaus mit den vielen Rolltreppen hat mir besonders deutlich gezeigt, dass Madotsuki große Schwierigkeiten hat, mit ihren Mitmenschen zu kommunzieren. Denn dieses Geräusch klingt fürwahr sehr beunruhigend, hat schon richtig was Bedrohliches, wie ich finde!

Wenn wir das alles zusammen nehmen, wird klar, dass Madotsuki niemanden hat! Absolut niemanden, und nun fühlt sie sich auch noch schuldig für den Tod der einzigen und letzten Person (also Norikazu, Name von mir jetzt einfach mal erfunden, ich war mal so frei ^^) mit der sie noch hätte quatschen können. Weil sie ihn halt angerufen hat, und es deshalb zu diesem Unfall kam. Jahrelang vom Vater sexuell Missbraucht, keine Freunde, Ablehnung durch die Gesellschaft, Schuldgefühle wegen Norikazus Tod... Nein, Madotsuki hät nichts mehr in dieser Welt, also hat sie sich genauso zu Tode gestürzt wie ihre Mutter, da sie für ihre Zukunft keine auch noch so klitzekleine Perspektive mehr sah!

So, an dieser Stelle folgt nun noch ein dritter Spoiler, der zwar nichts mehr zu meiner Theorie bezüglich "Yume Nikki" aussagt, nichts desto Trotz jedoch Dinge enthält, die ich gern noch sagen möchte.

Spoiler

Zitat von Madotsuki

Allgemein übrigens auch "Hölle" genannt. Dort findet man allerlei, aber das Spannendste ist immer noch der Geist von Madotsuki. Wenn man deine Theorie mit den strengen Eltern ausweitet, kann man das wie folgt interpretieren:

Spoiler: "Ende"

Das kann man als Hinweis auf das Ende sehen, in dem Madotsuki sich umbringt. Und wenn ihre Eltern vielleicht sogar streng gläubig sind, dann läuft Madotsukis Ende sowieso auf die Hölle hinaus. Das würde implizieren, dass Madotsuki diesen Wunsch zu sterben schon länger in sich trägt, aber immer wieder noch darüber nachdachte, was ihre Eltern wohl davon halten.

Wow, es ist einfach unglaublich, wie viel man da hineininterpretieren kann! Wie du schon im Eröffnungspost sagtest: Bei "Yume Nikki" gibt es kein richtig oder falsch. Diese Interpretation von dir klingt nicht nur sehr schlüssig, sie verleiht der ganzen Hintergrundstory nochmal so eine besondere Tiefe, uhm... Ich weiß gerade nicht, wie ich das ausdrücken soll... Wenn sie quasi ihrem eigenen Geist in der Hölle begegnet (im Traum), dann ist das deshalb geschehen, weil sie tief in ihrem Inneren längst mit ihrem Leben abgeschlossen hat? Ich sehe schon, es führt kein Weg daran vorbei, dieses Spiel in absehbarer Zeit ein weiteres Mal zu zocken smile

Zitat von Madotsuki

Fest steht für mich auf jeden Fall, dass Madotsuki nicht gut in ihre Gesellschaft integriert ist und der Grund dafür in ihrer Vergangenheit liegt. Denn wenn man durch ganz viele Ebenen geht entdeckt man irgendwann, ganz tief in Madotsukis Unterbewusstsein drinnen Poniko. In meiner Interpretation ist Poniko Madotsukis früheres Ich, welches vor einem einschlägigen Ereignis wahrscheinlich fröhlich und weniger traumatisiert gewesen ist. Ob jetzt die Ursache dessen die Vergewaltigung gewesen ist oder was anderes ist noch eine Lücke in meiner Theorie. Ich mache demnächst ein Replay und hoffe noch mehr zu entdecken, was auf dieses bewegende und traurige Ende hinweist. Dass Poniko Madotsuki ignoriert könnte nämlich ein Hinweis darauf sein, dass es für Madotsuki kein zurück mehr zu ihrer alten Persönlichkeit gibt, woraus sie dann beschließt, sich umzubringen.

Hmmm... Deine Theorie bezüglich Poniko gefällt mir. Wenn es sich wirklich um ihr früheres Ich handelt, würde auch der Sache mit dem Lichtschalter einer völlig anderen Bedeutung beigemessen. Dann stünde ein dunkles Zimmer für Madotsukis schöne Erinnerungen an Zeiten, als die Welt noch in Ordnung war (weil sich der Mantel der Finsternis über die unerträgliche Gegenwart ausbreitet). Und wenn das Licht an ist, erblickt Madotsuki die Schönheit dieses gewöhnlichen Zimmers, eine Schönheit, die es nur in diesem Traum gibt. Also sieht es für dich wie folgt aus (berichtige mich, wenn ich falsch liege): Sie würde gerne wieder in die Zeit zurückkehren, als sie noch "Poniko" (also ihr früheres Ich) war, kann es aber nicht, und dieser Umstand macht sie fertig, weshalb sich das alles jetzt in ihren Träumen niederschlägt? Mit dem Replay sind wir auf jeden Fall schon 2. Auch ich werde mnächst wieder "Yume Nikki" spielen, allerdings muss ich mein erstes Play und das Ending erst einmal verdauen. Aber die Frage, warum Madotsuki von Poniko ignoriert wird, habe ich mir ehrlich gesagt in dieser Form auch noch gar nicht gestellt. Nicht uninteressant, deine Theorie respekt

Zitat von Dumpfmoebel

Mir gefallen die ganzen Theorien hinsichtlich Vergewaltigung u.ä. nicht - trotz einiger Hinweise wie das FACE-Event, die Welt, in die man durch Berühren von Uboa geschickt wird, und so weiter. Meiner Meinung nach ist Madotsuki depressiv, vielleicht anderweitig psychisch gestört, aber ihr Leben ist durchaus trist (ihre einzige wache Beschäftigung ist das Spielen von NASU) und dass sie sich bis zum bitteren Ende weigert, ihr Zimmer zu verlassen, macht sie zu einem eindeutigen Hikkikomori (ich wette, dass ich das jetzt falsch geschrieben habe, tut mir leid). Um dieser Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit zu entkommen - vielleicht wird sie gemobbt und ausgeschlossen, mein Lieblingshinweis darauf ist das Toriningen-Picknick - flüchtet sie sich in die vielen bunten Möglichkeiten der Traumwelt, aber nachdem sie alles gesehen, also alle Effekte gefunden hat, hat das Leben für sie endgültig den Sinn verloren und sie begeht Selbstmord.
Es könnte auch ganz Inception-like die Flucht aus einem weiteren Traum sein, aber das glaube ich nicht.

Das Madotsuki Probleme mit anderen Menschen hat, sehr wahrscheinlich auch zu den klassischen Mobbingopfern zählt, darin dürften wir uns wahrscheinlich alle einig sein. Depressionen spielen da sicher auch eine wichtige Rolle. Laut deiner Theorie ist also das einzige was Madotsuki noch hat ihre Traumwelt, in die sie sich flüchtet. Irgendwann hat sie diese gesamte Welt erkundet, es gibt nichts neues oder gar interessantes mehr zu sehen, also die Konsequenz: Der Freitod! Auch keine schlechte Theorie, aber was sagst du zu dem Problem, das Madotsuki ganz offensichtlich mit ihrem Aussehen hat, was beispielsweise meiner Meinung nach gerade durch Effekte wie "Lange Haare", "Blonde Haare" oder "Stark zunehmen" (Fat) verdeutlicht wird? Für mich ist das alles ein weiteres Indiz für den sexuellen Missbrauch, aber du sagtest ja, dass du von diesen Geschichten wenig hältst.

Zitat von Link

...es schien nicht so, als sei etwas konkretes, so Storytechnisch, hinter all das gewollt, außer die Gestaltung und der Interpretationsfreiraum.
Es wurde gesagt, dass er Träume sehr interessant findet und Spiele halt auch und dies verbinden wollte und somit ein Spiel über Träume plante und machte.
Und da eine ehemalige Freundin, von ihm, selbstmord beging, udn das gute in das ganze Wirre passte, schuf er Madotsuki, vom groben aussehen und halt das Ende, nach ihrem Aussehen.

Ob das aber nun wirklich der Kikiyama war, der das erzählte, ist nicht wirklich nachweisbar. Zumindest hat er bei erwähnung der Charaktere keine Namen benutzt, so wie die Fans ihnen welche gaben, sondern nur so grobe beschreibungen, damit man wusste, wer gemeint war. Demnach könnte er es tatsächlcih gewesen sein, weil ein Fan sich in Sachen Namen eventuel verplappert hätte. X'D

Doch, nachdem was du erzählst, hatte der Herr Kikiyama schon etwas damit im Sinn. Es tut immer sehr weh, einen Menschen zu verlieren, der einem nahesteht, und mit diesem Spiel hat er sehr wahrscheinlich das Erlebnis mit seiner Freundin die sich das Leben nahm zu verarbeiten versucht. Und für den Fall, dass diese Geschichte nicht von Kikiyama selbst stammt, hat er halt einem Freund geholfen, diese Geschichte zu verarbeiten, da dieser Freund vielleicht kein großartiges künstlerisches Talent besitzt. Aber mich würde jetzt ehrlich gesagt mal interessieren, was du von der Geschichte um Madotsukis Traumwelt hältst, Link. Wie sieht deine Interpretation des Ganzen aus?



LG
Chojin~

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Dieser Beitrag wurde 4 mal editiert, zum letzten Mal von Chojin am 26.07.2012 01:02.

25.07.2012 23:38
Dumpfmoebel
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Zu Chojins Frage:

Spoiler

Zitat von Chojin

Auch keine schlechte Theorie, aber was sagst du zu dem Problem, das Madotsuki ganz offensichtlich mit ihrem Aussehen hat, was beispielsweise meiner Meinung nach gerade durch Effekte wie "Lange Haare", "Blonde Haare" oder "Stark zunehmen" (Fat) verdeutlicht wird? Für mich ist das alles ein weiteres Indiz für den sexuellen Missbrauch, aber du sagtest ja, dass du von diesen Geschichten wenig hältst.

Naja, ein Problem mit seinem Aussehen kann man auch haben, ohne sexuell missbraucht worden zu sein - oft reichen schon kleine Dinge wie Mobbing dafür aus, und irgendetwas muss ja vorgefallen sein, das sie davon abhält, ihr Haus zu verlassen. Wer gehänselt wird, wird sich irgendwann so wertlos vorkommen, wie die Anderen einen behandeln. Damit ist nicht zwangsläufig gesagt, dass Madotsuki gemobbt wurde, aber was ich damit sagen will, ist, dass ich es grundsätzlich nicht mag, wenn man Probleme immer auf "Extremfälle" wie Missbrauch und Tod der Angehörigen "schiebt" - je nachdem, wie sensibel man ist, führen auch viel weniger schwerwiegende Dinge dazu oder man ist einfach charakterlich so aufgebaut. Dazu will ich aber mal nicht so ewig viel schreiben, das würde sonst zu sehr ins Off-Topic geraden und zudem recht persönlich werden.


Und zu Kikiyamas Idee hinter dem ganzen: Sagte er nicht selbst einmal, dass er Yume Nikki gar nicht so tiefsinnig gestalten wollte, sondern es ihm eher um das Ambiente ging und so?

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Ah, how laughable it is.

Bereit für einen kleinen Niveausturz? Mein Tumblr [NSFW]

26.07.2012 16:48

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