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Voodoo (Nick Stone)
hagi
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Voodoo (Nick Stone)   



Erschienen in: Englisch
Erscheinungsjahr: 2006
Originaltitel: Mister Clarinet
Autor: Nick Stone
Gattung: Roman
Genre: Thriller
Verlag: Wilhelm Goldmann Verlag
603 Seiten

Zitat

Story: Max Mingus, ursprünglich Polizist, war früher Privatdetektiv und ein erfolgreicher obendrein. Aber das ist schon eine Weile her. Die letzten Jahre hat Max im Gefängnis verbracht, und als er endlich entlassen wird, hat er nichts mehr, wofür es sich zu leben lohnt. Bis Allen Carver auftaucht, ein haitianischer Milliardär, dessen Familie zu den einflussreichsten der Insel gehört. Carver bietet Max zehn Millionen Dollar, wenn er dessen Sohn Charlie findet, der vor zwei Jahren verschwand…
Quelle: Inhaltsangabe in der Goldmannausgabe von 2007

Ich geb‘s zu: Ich hab mir das Buch in erster Linie wegen dem Titel gekauft ^^ Voodoo klingt ja auch gleich mal schön gruselig und ich bin erst auch davon ausgegangen, dass es wohl ein Horrorwerk ist. Als ich mich dann aber über den Inhalt informiert hab, habe ich festgestellt, dass es sich bei dem Buch um einen Thriller handelt. Da sich der Inhalt aber trotzdem spannend anhörte, hab ich es mir zugelegt (bzw. zu Weihnachten schenken lassen zwinker ). Und ich muss sagen, dass das Buch gehalten hat, was ich mir von ihm erhofft habe.

Sprachlich ist der Roman relativ einfach gehalten, bisweilen auch ein bisschen vulgär. Für literarische Feinschmecker ist der Roman deshalb vielleicht nicht so geeignet, aber er liest sich dafür auch sehr flüssig und einfach und aufgrund von Nick Stones detaillierten Schilderungen und der Spannenden Handlung ist man auch in Null-Komma-Nichts durch. Ich habe für die gut 600 Seiten nicht mal zwei Wochen benötigt.

Das, was den Roman aus der Riege der durchschnittlichen Thriller hervorhebt, ist das ungewöhnliche Setting: Haiti. Ich muss gestehen, dass ich bisher kaum was über das Land wusste, außer dass es zu den ärmsten Ländern der Welt zählt, schon ein paar Diktaturen hinter sich hat, ein wichtiger Drogenumschlagplatz ist und sich von der Verwüstung durch das Erdbeben vor ein paar Jahren immer noch nicht erholt hat. Über die haitianische Kultur und das Leben der Leute dort wusste ich praktisch nichts. Das hat der Roman nun geändert. Neben der spannenden Entführungsstory des kleinen Charlie Carver erhält man einen tiefen Einblick in die Kultur des Landes und in den oftmals tristen, von Armut geprägten Alltag seiner Bewohner. Stone beleuchtet das Land aus vielen verschiedenen Blickwinkeln und legt so das enorme soziale Gefälle offen, dass es in dem bitter armen Land gibt. Der Roman spielt zwar schon 1996, aber in der Zwischenzeit hat sich für die Menschen dort wie wir wissen ja nicht sonderlich viel zum Positiven hin verändert. So sind vor allem die Beschreibungen von Cité Soleil und den anderen Armenviertel von Port-au-Prince ziemlich arg. Man kann sich bildlich vorstellen wie die Menschen in dieser brütendheißen Hölle ihren hoffnungslosen Kampf ums Überleben austragen. Als Kontrast dazu dient dann die feudal residierende Familie Carver, deren Unternehmen auf der ganzen Welt vernetzt sind und die ihren Reichtum auf Kosten der Ärmsten der Armen erlangt haben. Stone stellt immer wieder die protzigen Anwesen der Familie den heruntergekommenen Behausungen der gewöhnlichen Bevölkerung gegenüber.
Jedoch liefert Stone in seinem Roman nicht nur Armut und Leid, sondern beschreibt auch sehr viel von der haitianischen Kultur und ganz besonders ihrer Religion: Voodoo. Mir ging es am Anfang wohl so ähnlich wie den meisten anderen; wenn ich an Voodoo dachte kamen mir eigentlich nur Voodoopuppen und Zombies in den Sinn. Über den wahren Charakter der Religion wusste ich praktisch nichts. Hier ist der Roman sehr informativ, da er dem Leser auf unterhaltsame Art und Weise sehr viel von der Voodoo-Religion mit auf den Weg gibt. Man erfährt einiges über das Wirken und die Aufgaben der Voodoo-Priester, die Rolle die sie für die Menschen spielen, über Pilgerorte, Zeremonien und Voodoogottheiten. Und besonders über Aberglauben und Legenden, die in Haiti eng mit der Religion verschlungen sind. Ich fand das sehr spannend. Zumal das Ganze auch nicht einfach als abergläubischer Nonsens abgetan wurde, sondern der Autor ein sehr seriöses und vorurteilsfreies Bild der Religion liefert.

Aber jetzt mal zur eigentlichen Story: Die ist nämlich auch ziemlich spannend. Auf der Suche nach dem verschwundenen Charlie lernt Max Mingus alle Facetten des für ihn völlig fremden Landes kennen. Dabei gerät er auch immer wieder in heikle Situationen.

Spoiler

Jedoch, und dass muss ich dem Roman sehr hoch anrechnen, werden diese immer logisch aufgelöst und es kommt zu keinen überzogenen Schießereien, wie wir sie aus anderen Thrillern kennen. Das hat mich am Ende sowieso fasziniert: Der Roman endet ohne dass Max auch nur einmal seine Waffe abgefeuert hat! Das hab ich soweit ich weiß noch nie in einem Thriller erlebt, dass die Hauptfigur auf niemanden geschossen hat. Ich fand das gar nicht mal übel. Auch ist Max jetzt nicht der absolute Überheld, der sich aus jeder Situation herausboxen kann. Das sieht man eindrucksvoll bei der Situation, als er in den Kindern mit den Steinen umringt wird, die ihn töten wollen. Wenn Vincent Paul nicht gekommen wäre, wäre er erledigt gewesen. Dadurch wird mir Max sehr sympathisch und auch dass er jetzt nicht der knallharte Hund ist, an dem alles Leid und Elend das er sieht abprallt, finde ich gut.
Und dennoch ist das Buch stellenweise auch ziemlich brutal. Besonders an der Stelle als Vincent Paul dem einen Vergewaltiger die Eier abreißt. Das war schon ziemlich arg, auch wenn er mir jetzt nicht grad leid getan hat. Paul ist eh eine ambivalente Figur. Auf der einen Seite ist er einer der größten Drogenbarone der Karibik und auf der anderen Seite fährt er in die Slums der Hauptstadt und verteilt Nahrung. Dadurch wird die Figur Vincent Paul aber auch erst so richtig interessant.

Das Ende war dann soweit auch ziemlich gut gelungen. Der Kinderhandel ist ja leider auch heute noch in Haiti ein sehr großes Problem. Es werden ja immer wieder Kinderhändler aufgegriffen, die arme Slumkinder ihren Eltern wegnehmen und sie an Pädophile oder adoptionswillige Eltern verkaufen. Ok, das mit dem Pädophilenring ist dann ein wenig übertrieben. Zweifellos gibt es auch in den höheren Gesellschaftsschichten etliche Leute mit pädophilen Neigungen, aber in der Masse dann wohl doch nicht und untereinander kennen tun sie sich vermutlich auch wohl eher nicht.
Die Abgründe, die dann aber am Ende in der Familie Carver ans Tageslicht kommen, sind gut eingebracht und zeigen, dass die Familie trotz des ganzen Geldes und der Macht in Wirklichkeit an moralischer Armut leidet.


Allen Thrillerfans, die außer einer spannenden Story auch noch ein bisschen mehr haben wollen, kann ich Voodoo nur empfehlen. Das Bild, das der Roman von Haiti zeichnet, ist sehr glaubhaft und interessant. Die Figuren sind klug aufgebaut und die Story nahezu fehlerlos konzipiert. Die Kritik an den UN-Truppen und die Dämonisierung dieser ist dann zwar stellenweise Überzügen, aber wenn man sich die Kriege unter Bush im Namen der Demokratie anschaut, dann muss man schon eingestehen, dass da schon was dran ist und auch Clinton kein Kind von Traurigkeit war. Der Kern des Romans ist aber zweifellos die Kultur und die Religion des Landes. Dass der Roman 2006 mit dem Steel Dagger ausgezeichnet wurde, spricht dann nochmal für sich.

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03.04.2012 16:38
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Es ist nun schon ein paar Jahre her das ich den Roman Voodoo von Nick Stone gelesen habe, aber auch mir blieb dieser sehr positiv in Erinnerung. Stellenweise fühlte ich mich durch den Schauplatz Haiti von der Atmosphäre die das Buch aufbaute an den Film Angel Heart erinnert, wobei hier aber auch gleichzeitig ein viel realistischeres Bild der Insel porträtiert wird, was zum einen an dem fehlen der übernatürlichen Komponente und zum anderen an der zu recht von meinen Vorposter gelobten Detailfülle zum Land Haiti und den dort herrschenden Lebensbedingungen liegt. Auch in diesen Zusammenhang sehr erfreulich die Erklärungen zum Voodoo an sich die solche klisheeüberladenen Erläuterungen mit hokuspokus Effekt wie sie manch anderes Werk bietet außen vor läßt und einen stattdessen die trockenen Fakten vorlegt.

Die Geschichte des Buches war dann auch sehr spannend erzählt, so das man praktisch durch das Buch durchflog und mit so mancher wendung hätte ich nicht gerechnet.

Spoiler

So hätte ich doch zum Beginn des Buches nicht vermutet das mir die Figur des Gustav Carver irgendwann noch dermassen unsympatisch werden könnte.Ähnlich wie die Hauptfigur empfand ich nämlich auch für den Typen eine gewisse Art von Sympathie und das trotz seiner harten Art. Das er dann den Kinderhändlerring organierte war schon ein schwerer Schlag.

Anders sieht es hingegen bei der Figur des Vincent Paul aus der mir immer sympatischer wurde.

Zitat von hagi

Und dennoch ist das Buch stellenweise auch ziemlich brutal. Besonders an der Stelle als Vincent Paul dem einen Vergewaltiger die Eier abreißt. Das war schon ziemlich arg, auch wenn er mir jetzt nicht grad leid getan hat. Paul ist eh eine ambivalente Figur. Auf der einen Seite ist er einer der größten Drogenbarone der Karibik und auf der anderen Seite fährt er in die Slums der Hauptstadt und verteilt Nahrung. Dadurch wird die Figur Vincent Paul aber auch erst so richtig interessant.


Du hast recht eine wirklich interessante Person. Auch wenn er einer der größten Drogenbosse ist würde ich aber sagen ist er der der am meisten dadurch für das hungernde Volk in Haiti tut. Klar ist da nicht nur reine Herzenswärme die dahinter steckt, sondern er will mit solchen Aktionen wie das Essen verteilen, aber auch die Bestrafung der US Soldaten die das Mädchen vergewaltigten, auch sichern das er weiterhin die Kontrolle über sein Revier behält, doch trotzdem entwickelte er sich neben Max Mingus zu einen echten Sympathieträger.

Zitat von hagi

Das Ende war dann soweit auch ziemlich gut gelungen. Der Kinderhandel ist ja leider auch heute noch in Haiti ein sehr großes Problem. Es werden ja immer wieder Kinderhändler aufgegriffen, die arme Slumkinder ihren Eltern wegnehmen und sie an Pädophile oder adoptionswillige Eltern verkaufen. Ok, das mit dem Pädophilenring ist dann ein wenig übertrieben. Zweifellos gibt es auch in den höheren Gesellschaftsschichten etliche Leute mit pädophilen Neigungen, aber in der Masse dann wohl doch nicht und untereinander kennen tun sie sich vermutlich auch wohl eher nicht.


Ich halte solch eine Masse doch schon für realistisch. Wenn irgendwelche Kinderpornoringe auffliegen wird ja auch öfter von 1000 von beteilgten Personen gesprochen. Mir jhat das Ende ebenso wie dir gefallen, wobei ich dann aber an einer Stelle doch etwas traurig war als Max den Paar das sich um das entführte Kind kümmerte den Jungen wegnahm um ihn seinen leiblichen Vater zurückzugeben. In diesen Moment taten mir die beiden da echt leid, auch wenn es nachvollziehbar war das er so handelte.


Ein sehr guter Detektivroman die ein Faible für das Thema Voodoo haben und schon immer mal mehr über das Lasnd Haiti erfahren wollten.

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Fantasy ist die einzige Waffe im Kampf gegen die Wirklichkeit - Denis Gaultier

19.04.2012 01:27

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